Auf dem Seziertisch
Geschrieben von: Marco Galuska Mittwoch, den 30. November 2011 um 09:20 Uhr
Kommentar zur Darstellung des Amateurfußballs
Die Sitten verkommen immer mehr? Die Gewalt wird immer größer? Asoziale Strukturen rund um den Sportplatz? Schiedsrichter unfähige Wesen, die als Freiwild zum Abschuss freigeben wurden? Schlechte Schlagzeilen sind die besten Schlagzeilen - Skandale verkaufen sich und wecken damit auch Murmeltiere, die sonst nur ungern im Erdboden des Amateurfußballs wühlen!
Geradezu dankbar saugen diese mannigfaltigen Geschöpfe - die jeder für sich enttarnen darf - Nachrichten auf, die alles bieten, nur kein glorreiches Bildnis für den Amateurfußball. Schön sein können die Eliteschüler aus dem Profibereich besser als das Stiefkind aus dem Amateurwesen. Dieses Stiefkind darf aus dem Souterrain dann ausreißen, wenn die Eliteschüler zu brav, zu langweilig funktionieren - Skandalpotential übrig lassen. Also müssen sich die geduldeten Wesen schon arg daneben benehmen oder dies zumindest gerieren, um sich die Aufmerksamkeit zu erschleichen, auch wenn diese dann mit einer schallenden Ohrfeige einhergeht, die bestenfalls gerade noch ein Vegetieren im Erdboden rechtfertigt: Tadel verpflichtet - dem Stiefkind muss man hin und wieder zeigen, wo es hingehört!
Die Elemente, die das Stiefkind umgeben, entpuppen sich dabei mitunter als bereitwillige Lemminge, die dem Murmeltier den Stoff liefern, wonach es sucht, wenn es in den Niederungen wühlt und dabei genügend Rampenlicht im Gepäck hat. Wissenschaftlich verhalten sich Lemminge dabei nicht, Murmeltiere auf diesem Terrain sowieso nicht, denn die DNA des Stiefkindes interessiert nicht wirklich - der zeitsparende Instinkt handelt, kreiert zweifelhafte Zusammenhänge, stellt unreflektierte Thesen auf und rundet Halbwahrheiten auf!
Der deutsche Aphoristiker Hans Krailsheimer sagte einst: "Das Gefährlichste an den Halbwahrheiten ist, dass fast immer die falsche Hälfte geglaubt wird." Nun sind solche Weisheiten ebenso wenig hilfreich wie die vermeintlich messerscharfe Sezierung von Sachverhalten durch Ohrenzeugen, die dann gerne per Mundpropaganda ein großes Echo erfahren, wobei der Schall in seiner Ausbreitung etliche Misstöne enthalten kann - oder auch soll? Viele Aspekte und Zusammenhänge, die vielleicht Grund zur Sorge, womöglich aber Erklärungs- oder gar Lösungsansätze aufweisen könnten, bleiben außen vor oder werden nur grobkörnig tangiert. Man könnte ernsthaft Faktoren, wie Fair Play, Vereine, Konfliktpotentiale durch Zuschauerverhalten und die Rolle der Schiedsrichter hinterfragen, man kann es aber auch sein lassen und munter drauflos kommunizieren - der nächste Skandal wird es wieder wegwischen, ein besseres Bild gibt der Amateursport dadurch aber nicht ab, vielleicht will er es aber auch gar nicht!



