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Artikel veröffentlicht am 02.04.2025 um 07:00 Uhr
Vassilios Skordas im Interview: "Haben uns noch lange nicht aufgegeben"
INTERVIEW In der Winterpause übernahm Vassilios Skordas bei Tuspo Nürnberg den Trainerposten und trat damit eine Herkulesaufgabe beim damaligen Kreisliga-Schlusslicht an. Im neuen Jahr ist das Kellerkind nun plötzlich noch ungeschlagen und der bald 45-Jährige spricht im fussballn.de-Interview der Woche über den Aufschwung, die Hintergründe seines Engagements und den frischen Wind, der seit kurzem an der Herrnhüttestraße weht.
Von Michael Watzinger
Vassilios Skordas gibt seit Dezember 2024 beim Tuspo Nürnberg an der Seitenlinie die Richtung vor.
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Hallo Vassilios, du bist seit Ende letzten Jahres zurück beim Tuspo Nürnberg, nachdem du zuvor bereits vor einigen Jahren als Spieler das Trikot am Marienberg getragen hast. Wie ist es für dich, wieder zurück im Verein zu sein? Hast du dich schnell wieder eingelebt beziehungsweise zurechtgefunden?

Vassilios Skordas (44):
Es ist ein tolles Gefühl, wieder beim Tuspo zu sein und ich habe mich von der ersten Minute an gleich wieder wohlgefühlt! Es ist ja ein sehr familiärer Verein, der es mir leicht gemacht hat, dort anzukommen. Außerdem kannte ich den Verein ohnehin noch aus früheren Tagen und auch einige handelnde Personen wie Abteilungsleiter Armin Völker. Dadurch, dass ich zuvor auch immer mal wieder zugesehen hatte, war mir die Mannschaft ebenfalls durchaus bekannt und all das zusammen hat dafür gesorgt, dass ich schnell angekommen bin und sehr gut aufgenommen wurde.

Was hat sich deinem Eindruck nach in der Zwischenzeit beim Tuspo verändert, welche Dinge sind gleich geblieben?

Skordas:
Der Verein hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt, ist sich aber trotzdem weiter treu geblieben: Natürlich trifft man auch nach Jahren noch auf viele bekannte Gesichter beim Tuspo - Armin selbst ist ja seit vielen Jahren unheimlich engagiert und damit das beste Beispiel! Auch einige der Spieler - wie Marc Schüller, unser Kapitän - entstammen der eigenen Jugend und bilden ein tolles Fundament, auf das man sich verlassen kann. Veränderungen gab es dagegen im Jugendraum und den Kabinen, die modernisiert wurden und ich noch anders kannte (schmunzelt), oder beim B-Platz, der inzwischen eine Beleuchtung bekommen hat.

Kapitän Marc Schüller (in rot) ist beim Tuspo Nürnberg seit Jahren eine wichtige Stütze und auch für den neuen Trainer Vassilios Skordas ein wichtiger Fixpunkt.
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Du hast den Tuspo während der Winterpause in einer schwierigen Phase übernommen, schließlich überwinterte man in der Kreisliga Nürnberg als Tabellenschlusslicht. Weshalb war die Aufgabe dennoch reizvoll für dich?

Skordas:
Weil ich ein Mensch bin, der Herausforderungen liebt und weil es eine wirklich interessante Aufgabe mit persönlichem Bezug für mich war: Wie schon beschrieben, kenne ich den Verein recht gut und der Kontakt ist seit meiner Spielerzeit auch nie wirklich abgerissen. Schon alleine, weil mein Schwiegervater die Gaststätte beim Tuspo macht, war ich immer mal wieder vor Ort und konnte mir ein ganz gutes Bild machen. Und ganz ehrlich: Dabei denkt man dann doch ab und zu daran, dass es schon schön wäre, den Tuspo mal eines Tages selbst zu trainieren. Als sich jetzt die Möglichkeit ergab, habe ich nicht lange überlegen müssen. Es hat sich gut und richtig angefühlt!

Mit lediglich zehn gesammelten Punkten war die sportliche Lage des Tuspo aber dennoch unheimlich angespannt, das rettende Ufer schien in weiter Ferne. Wie geht man als neuer Trainer dann eine derartige "Mission Impossible" an?

Skordas:
Es ging in erster Linie darum, zunächst einmal den ganz großen Druck, den man in so einer Lage verspürt, von der Mannschaft zu nehmen. Das heißt nicht, dass wir uns aufgegeben haben - ganz im Gegenteil! Aber es war wichtig, den Fokus auf die gemeinsame, kontinuierliche Arbeit zu legen, einfach fleißig zu sein und den Jungs meine Ideen zu vermitteln. Erste Erfolgserlebnisse waren wichtig, denn das Selbstvertrauen ist das, was am meisten unter so einer Situation leidet. Es ging deshalb vor allem darum, wieder Vertrauen und Glauben in die eigene Stärke zu gewinnen. In der Vorbereitung haben wir dann gute Fortschritte gemacht, nicht verloren und wir sind so Stück für Stück vorangekommen. Natürlich klappt auch nicht alles sofort und man braucht die nötige Geduld, aber die Jungs haben meine Ideen immer besser umgesetzt und so ist dann schon in kurzer Zeit etwas zusammengewachsen. Darauf können wir aufbauen und auch etwas stolz sein.

Unter deiner Leitung lief es seit der Winterpause richtig ordentlich, schließlich seid ihr bislang im Jahr 2025 auch nach drei Partien noch ungeschlagen. Hättest du mit einem derartigen Start in das neue Jahr gerechnet?

Skordas:
Damit konnte man sicherlich nicht unbedingt rechnen, schließlich war ja schon zum Auftakt mit der SGV Nürnberg-Fürth 1883 der Tabellenführer bei uns zu Gast. Der Start macht mich einfach richtig happy, denn er zeigt, welch tollen Charakter die Jungs haben und dass sie noch lange nicht aufgegeben haben! Wir haben in der Winterpause gesagt, dass wir zwölf Endspiele haben und so sind wir das auch angegangen: Gegen den Tabellenführer haben wir ein 1:1-Unentschieden erkämpft, bei Johannis 83 haben wir dann unter der Woche gewonnen. Am vergangenen Sonntag in Deutenbach hat man dann schon gemerkt, dass die Beine etwas schwer wurden, aber wir haben trotz eines recht ausgedünnten Kaders nicht aufgegeben und gefightet und sind wieder mit einem Punkt belohnt worden. Das sind alles Erfolgserlebnisse, die uns derzeit extrem guttun.

Youngster Pascal König (Nr.11) und der Tuspo Nürnberg setzten sich zum Auftakt erfolgreich gegen Primus SGV Nürnberg-Fürth 1883 um Michalis Lazaridis (in blau) zur Wehr und trotzten dem Favoriten durch ein 1:1 einen Zähler ab.
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Trotz des durchaus beachtlichen Starts scheint das rettende Ufer bei derzeit zehn Zählern Rückstand noch in weiter Ferne. Welche Chancen rechnest du euch im Kampf um den Klassenerhalt aus?

Skordas:
Ganz ehrlich, wir tun gut daran, nicht ständig auf die Tabelle zu blicken. Ich habe meinen Jungs in der Winterpause auch gesagt, dass wir einfach fleißig sein und an uns arbeiten müssen. Unser erstes Ziel ist ein Relegationsplatz und nach unserem guten Start ist der durchaus wieder in greifbare Nähe gerückt. Wir wollen von Spiel zu Spiel schauen und jeden Punkt mitnehmen, der möglich ist. Wir haben uns jedenfalls noch lange nicht aufgegeben!

Seit der Winterpause weht beim Tuspo nicht nur in Bezug auf dich als neuen Trainer ein frischer Wind, ihr habt insgesamt fünf Nachwuchskräfte vollständig in den Herrenbereich hochgezogen. Was waren die Hintergründe dafür?

Skordas:
Es war schon immer auch die Philosophie des Tuspo auf Jungs aus den eigenen Reihen, aus dem eigenen Nachwuchs zu setzen. Diesen Weg wollen wir ganz bewusst weitergehen, zumal diese fünf Jungs wirklich eine gute Qualität und den nötigen Willen mitbringen. Sie haben in der Vorbereitung ihre Chancen bekommen und absolut genutzt - und deshalb verdienen sie es auch, weiterhin im Kreisliga-Kader dabei zu sein. Es macht mir große Freude, sie an den Herrenbereich heranzuführen und mit ihnen zu arbeiten.

Wie hast du die Youngster bisher wahrgenommen? Bringen sie vielleicht sogar Eigenschaften mit, die euch in eurer aktuellen Lage besonders weiterhelfen?

Skordas:
Sie machen ihre Sache bislang wirklich sehr gut: Es ist auch kein Zufall, dass mit Niklas Killinger eben einer dieser Jungs gegen Johannis bereits getroffen hat. Sie bringen eine gewisse Unbekümmertheit mit, wollen sich beweisen und spielen mutig drauflos - das tut unserer Mannschaft gut. Gemeinsam mit den erfahrenen Akteuren hat sich nun eine super Mischung ergeben, die großen Spaß zusammen hat und mit einem Durchschnittsalter von 23 oder 24 Jahren durchaus Entwicklungspotential hat. Daraus kann sich für die Zukunft sicherlich etwas entwickeln.

Niklas Killinger gehört zu den jungen Wilden des Tuspo, die im Winter aus der A-Jugend in den Herrenbereich hochgezogen wurden. Beim 2:1-Derbysieg gegen den TSV Johannis 1883 (in grün) machte der schnelle Offensivmann gleich mit einem Treffer auf sich aufmerksam.
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Gehen wir ein wenig weg von Personalien: Was hat dir von eurer Spielweise her bislang gut gefallen und wo siehst du noch Luft nach oben?

Skordas:
Natürlich hat jeder Trainer eine gewisse Philosophie beziehungsweise eine Spielidee im Kopf. Man muss dabei aber auch immer sehen, welche Spieler mit welchen Stärken man in der Mannschaft hat. Für mich ist klar: Nicht das System bestimmt die Spieler - gerade innerhalb eines Vereins wie dem Tuspo, wo nicht mit Geld herumgeworfen wird - sondern die Spieler bestimmen das System! In unserem Fall steht aktuell klar die mannschaftliche Geschlossenheit im Vordergrund. Die Jungs arbeiten immer besser als Einheit zusammen und unser Umschaltspiel passt derzeit gut zu unserem Spielstil. Natürlich wollen wir auf Sicht auch mal mehr Ballbesitzphasen haben, aber das sind Dinge, die es nach und nach zu entwickeln gilt.

Wo siehst du einen Verein wie den Tuspo kurz- und mittelfristig?

Skordas:
Zunächst einmal wollen wir eine möglichst gute Rückrunde hinlegen und wir werden natürlich alles versuchen, um am Ende die Kreisliga noch zu halten. Mittelfristig ist das aus meiner Sicht auch die richtige Spielklasse für den Tuspo, der über eine gute Jugendarbeit verfügt. Es gilt, weiter in allen Bereichen fleißig zu sein und dranzubleiben, dann kann das meiner Meinung nach durchaus etwas werden.

Wie sieht es bei dir persönlich aus? Wirst du über die Saison hinaus beim Tuspo bleiben? Und gibt es Ziele und Träume, die du in deiner Trainerlaufbahn verwirklichen möchtest?

Skordas:
Zunächst einmal bin ich froh beim Tuspo zu sein und fühle mich mit Verein und Mannschaft sehr wohl. Es gab bislang ein positives Feedback, aber wir konzentrieren uns jetzt erst einmal auf unsere Mammutaufgabe und reden später über alles Weitere. Ich selbst möchte mich weiter als Mensch und Trainer entwickeln, bin als Coach bislang Schritt für Schritt gegangen und will das gerne auch weiterhin tun. Langfristig ist es schon mein Traum, auch mal höherklassig zu trainieren - ich bin schließlich sehr ehrgeizig und dafür bilde ich mich ja auch weiter. Im Hier und Jetzt zählt für mich aber nur der Tuspo: Wir wollen den bislang eingeschlagenen Weg weitergehen, dann sehen wir, wofür es am Ende reichen wird. Wir freuen uns auf jeden Fall darauf und nehmen die Herausforderung an!

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Steckbrief V. Skordas

Vassilios Skordas
Spitzname
Willy
Alter
44
Geburtsort
Nürnberg
Familie
verheiratet, 2 Kinder
Nation
Deutschland
Größe
185 cm
Hobbies
Fußball, Lesen, mit Familie Reisen
Erfolge
- Bayerischer B-Jugend-Meister mit dem 1. FC Nürnberg
- Bayernliga-Aufstieg mit dem ASV Neumarkt


Tabellenverlauf Tuspo Nürnberg


Vorschau Kreisliga Nürnberg


Tabelle Kreisliga Nürnberg

Pl.
Team
Sp
Tore
Pkt
5
19
31:26
33
8
19
34:31
27
9
19
30:41
25
10
20
23:26
25
11
20
29:36
24
12
20
32:38
21
14
19
25:48
15
Bei punktgleichen Teams: Sondertabelle der Punktgleichen

Nächste Spiele Tuspo Nürnberg

So. 06.04.2025 15:00 Uhr
H - FSV Stadeln 2 (8.)
So. 13.04.2025 15:00 Uhr
Mo. 21.04.2025 15:00 Uhr
H - ASV Fürth (5.)
So. 27.04.2025 15:00 Uhr
So. 04.05.2025 15:00 Uhr
In Klammern aktuelle Tabellenplatzierung

Letzte Spiele Tuspo Nürnberg

S
 
 
 
 
 
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N
 
 
 
01.11.24
Tuspo Nürnberg - Veitsbronn-S.
03.11.24
Tuspo Nürnberg - Buch 2
17.11.24
Post SV Nürnb. - Tuspo Nürnberg
16.03.25
Tuspo Nürnberg - SGV 1883
27.03.25
TSV Johannis 83 - Tuspo Nürnberg
30.03.25
Deutenbach - Tuspo Nürnberg

Spielerstationen V. Skordas


Trainerstationen V. Skordas

24/25
AK
 
23/24
KK
22/23
AK
 
21/22
AK
 

Erg.-Verteilung Tuspo Nürnberg

Siege (S)
4
21,1 %
Remis (R)
3
15,8 %
Niederlagen (N)
12
63,2 %

Serien Tuspo Nürnberg

Am längsten ungeschlagen
seit 16.03.2025
3 Sp
5 Pkt
3:2 Tore
Am längsten ohne Sieg
17.10.2024 - 16.03.2025
7 Sp
1 Pkt
7:23 Tore
Meiste Niederlagen in Folge
17.10.2024 - 17.11.2024
6 Sp
0 Pkt
6:22 Tore
Auswärts ungeschlagen
seit 27.03.2025
2 Sp
4 Pkt
2:1 Tore

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